Skip to content

Professor Shunichi Yamashita

September 23, 2011

Professor Shunichi Yamashita (山下俊一) ist seit Mitte  Juli 2011 Prorektor der Fukushima Medical University. Davor war er Professor an der Universität Nagasaki. Unmittelbar nach dem Reaktorunfall in Fukushima hielt er vor Einheimischen in Fukushima eine Rede, in der er behauptete, dass selbst eine Strahlendosis von 100 Millisievert pro Jahr keine gesundheitlichen Probleme verursache und dass nur Menschen an der Strahlenkrankheit erkrankten, die sich zu viele Sorgen machten. Dies sei durch Tierversuche erwiesen worden.

Mich würde mal interessieren unter welchen Bedingungen und mit welchen Tieren solche Versuche durchgeführt wurden.

Erstaunlich, dass die Anwesenden ihm bis zum Ende zugehört, und ihn nicht von der Bühne gezerrt haben. Ich kann nur mutmaßen, dass die Anwesend so dermaßen unter dem Schock des Ereignisses standen, dass sie jede positive Äußerung dankbar aufnahmen und sei sie noch so idiotisch. 100 Millisievert sind definitiv gesundheitsschädlich. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernoby hielt man die Evakuierung bereits ab 5 Millisievert für unumgänglich. 1 Millisievert ist der Grenzwert in Deutschland.

Wie aus verschiedenen Berichten hervorgeht, versucht die japanische Regierung die Auswirkungen des Reaktorunglücks so weit wie möglich herunterzuspielen.  Kein Wunder, dass ausgerechnet dieser Professor damit beauftragt wurde, in der Präfektur eine Studie durchzuführen, die die Auswirkungen des Unfalls auf die Gesundheit der Bewohner untersuchen soll. Zu welchem Ergebnis diese Studie kommen wird, kann man sich jetzt schon denken.

Das Blog Fukushima Update äußert sich dazu wie folgt:

This survey is being carried out under the premise of Professor Yamashita’s assertions that “there were no health effects due to Chernobyl besides cancer of the thyroid” and that “there will be almost no health effects from radiation in Fukushima.” Since the greater part of the survey covers ex-post facto concerns such as estimations of past exposure doses, it will be completely useless for the prevention of health effects. One section of the residents will undergo whole body counter measurements, urine tests, and so on, but the detection limit has been set at such an extremely high level as to make the tests meaningless. We, the residents, are simply being made the subjects of research.

Radioaktivität in Fukushima

September 22, 2011

Diesem Artikel zufolge sind Schulen, die offiziell als dekontaminiert gelten, immer noch mit 1,5 Mikrosievert pro Stunde belastet. Das ist ungefähr das 13-fache über dem deutschen Grenzwert von 1 Millisievert pro Jahr.

Wie hoch der aktuelle Grenzwert in Japan für Schulen ist weiß ich allerdings nicht. Kurz nach der Katastrophe wurde er auf 20 Millisievert pro Jahr gesenkt. Nach Protesten wurde er wieder auf einen mir unbekannten Wert angehoben.

Radioaktivität in Tokyo

September 22, 2011

Laut diesem Beitrag von Al Jazeera gibt es in Tokyo eine ganze Reihe von Hot Spots (Orte hoher Radioaktivität), die eigentlich evakuiert werden müssten.

Taifun über Fukushima

September 22, 2011

Das Thema Fukushima läßt mich nicht mehr los und ich beschäftige mich auch nicht erst seit gestern damit. Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit die Leute begreifen, wie gefährlich Atomkraftwerke sind.

Gestern ist ein Taifun über Fukushima gerast. Die Auswirkungen sind verheerend. Hier der Forenbeitrag einer Japanerin, die mit dem Regenwasser in Kontakt kam.

こんばんは!埼玉在住、どうしても避けられず昨日2度雨にずぶぬれになり昨夜から頭痛、今日は軽い吐き気もあります。最近夕方になるとだるく家事がつらいです。目がかすむことが増えました。髪が産後のようにごっそり抜けてます。ちょっと不安です…。

Guten Abend! Ich lebe in Saitama. Es ließ sich leider nicht vermeiden, dass ich 2 mal vom Regen durchnässt wurde. Abends bin ich schlapp und die Hausarbeit fällt mir schwer. Mein Blick verschleiert sich zunehmend. Meine Haare fallen aus.  Ich bin besorgt.

Saitama liegt übrigens nördlich von Tokyo.

Mir stellt sich die Frage, wie vertrauenswürdig so eine Aussage ist. Die beschriebenen Phänomene würde ich eher erwarten, wenn jemand einer sehr hohen Strahlendosis für längere Zeit ausgesetzt ist. Laut Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie treten solche Symptome ab einer Strahlendosis von 500 Millisievert auf.

Fukushima Basics

September 21, 2011

Spiegel Online veröffentlichte einen unkritischen Artikel, in dem deutsche Studenten zu Wort kommen, die sich trotz der Kernschmelze in Fukushima in Japan sicher fühlen. Dazu mal ein paar Fakten:

Der Geologe Yukio Hayakawa hat an der Universität Tokyo 1.382 µSv/h gemessen. Das sind rund 12,10 mSv pro Jahr. Der Grenzwert in Deutschland liegt bei 1mSv pro Jahr. Hier sein Blog, für diejenigen, die Japanisch können.

Hinzu kommt die Gefahr, Radioaktivität durch Nahrung aufzunehmen. Radioaktives Rindfleisch und radioaktiver Tee waren bereits in den Handel gelangt und das dürfte nur die Spitze des Eisberges sein, denn die Bauern in Fukushima dürfen anscheinend weiterhin anbauen. Bauern, die sich Sorgen um ihr Land und ihre eigene Gesundheit machen, werden von den offiziellen Stellen abgewimmelt, wie ein Beitrag des ZDF zeigt. Ein Bauer, der von einem staatlichen Labor seine Kartoffeln auf Radioaktivität untersuchen lassen wollte, wurde unverrichteter Dinge nach Hause geschickt, mit der Begründung, er wohne ja nicht in der Sperrzone. Dabei entspricht diese Sperrzone keineswegs der tatsächlichen radioaktiven Verteilung. Radioaktivität breitet sich nun einmal nicht radial um ein Atomkraftwerk aus, sondern tritt eben dort auf, wo sie abregnet. Laut Professor Kodama gibt es daher innerhalb dieser Zone Orte, die weniger verstrahlt sind als Orte außerhalb dieser Zone. Doch diese einfache Erkenntnis spielt für die Behörden keine Rolle. Aus diesem Grund hat ein Bauer Bauer namens Ozawa seine Probe in einem Labor einer Bürgerinitiative messen lassen. Das Ergebnis: Die Lebensmittel sind ungenießbar und müssen wie jeder andere radioaktive Müll fachgerecht entsorgt werden.

Apropos fachgerechte Entsorgung: Da man nicht weiß, wohin man die radioaktive Erde bringen soll, vergräbt man sie einfach unter einer etwa 30 cm tiefen Schicht unbelasteter Erde. Unglücklicherweise macht man das so auch auf Schulhöfen, was ich für grob fahrlässig halte, da selbst schwache Radioaktivität für Kinder und Jugendliche, die noch im Wachstum begriffen sind, wesentlich gefährlicher ist als für Erwachsene. (SZ)

Radioaktiver Müll wird einfach verbrannt; radioaktive Partikel geraten so in die Atmosphäre und sorgen für eine weitere Verteilung der Radioaktivität. Dieses Verhalten ist schlichtweg unverantwortlich.

Der Wutausbruch von Professor Kodama angesichts dieser Umstände ist jetzt schon legendär. Bitte lest euch unbedingt seine Rede vor dem japanischen Unterhaus durch. Dieser Vortrag ist ein Zeugnis für die Unfähigkeit der japanischen Regierung.

Vor dem Bahnhof in Fukushima wurden übrigens über 30µSv/h gemessen, wie in diesem Video zu sehen ist (ab 4:15). Das sind 262 mSv pro Jahr!

Nichtsdestotrotz geht das Leben in Fukushima weiter. Daran wird auch dieser Keinohrhase erst einmal nichts ändern, der angeblich 7 km entfernt vom Reaktor in Fukushima geboren wurde.

Subventionen für florierende Unternehmen

September 19, 2011

Seit gefühlten hundert Jahren versprechen uns Politiker, dass sie, sobald sie die Regierungsgewalt haben, Subventionen abbauen werden. Passiert ist nie etwas. Ich habe kein Problem damit, wenn Milchbauern, die aufgrund der schlechten Marktpreise ohne Subventionen nicht überlebensfähig wären, auf diese Art und Weise unterstützt werden. Wenn ich aber mitbekomme, dass man HARTZ IV – Empfängern den Vorwurf macht, sie würden den Staat parasitär ausbluten, während florierende Unternehmen Subventionen für Ihre Forschung abgreifen, die sie ohne weiteres aus Ihrer eigenen Tasche bezahlen könnten und die nicht dem Allgemeinwohl, sondern ausschließlich dem Wohl des Unternehmens dient, geht mir das Messer in der Tasche auf.

tagesschau vom 07.10.2010

Oktober 6, 2010

Die tagesschau betreibt mal wieder Augenwischerei. Bei ihrem Beitrag über S21 verliert man kein Wort über Dietrich Wagner, der vor nicht einmal einer Woche bei einem Wasserwerfereinsatz der Polizei im Stuttgarter Schloßpark sein Augenlicht verloren hat, noch über die anderen, zum Teil jugendlichen Opfer der Prügelorgie der Stuttgarter Polizei. Stattdessen Geschwätz aus dem Landtag. Wäre ja noch schöner, wenn man die Bürger zur Sprache kommen ließe. Um nicht gänzlich das Gesicht zu verlieren, läßt die tagesschau noch ganze 11 Sekunden den Sprecher der S21-Gegner, Matthias von Herrmann, zu Worte kommen und das in einem Beitrag, der immerhin 2 Minuten und 10 Sekunden dauert. Und als ob das alles nicht schon verlogen genug wäre, schließt man den Beitrag mit den folgenden Worten ab:

Und eines machte Mappus heute auch deutlich: Wegen des Streits um den Bahnhof sollen keine Menschen mehr zu Schaden kommen.

Kein Wort über die politische Verantwortung Mappus’ für den unverhältnismäßig brutalen Polizeieinsatz vom 30. September gegen unbescholtene Stuttgarter Bürger. Stattdessen verleiht man ihm den Nimbus des Heilbringers und Versöhners.