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Gibt es eine milliardenschwere KiPo-Industrie?

Mai 11, 2009

Das Blog informationsfreiheitsgesetz.de verlinkt ein PDF-Dokument, in dem der Antrag auf Einsicht in die Verträge zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten im Internet, die zwischen dem BKA und verschiedenen Providern geschlossenen wurden, abgelehnt wird.

In der Begründung heißt es wörtlich:

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Kinder zum Teil gezielt für die Erstellung des vermarkteten Bild- und Videomaterials missbraucht werden.

Wir erinnern uns: Frau Dr. von der Leyen hatte mehrmals öffentlich behauptet, dass hinter den Bildern und Videos sexuell missbrauchter Kinder nicht nur Einzeltäter, sondern eine milliardenschwere Industrie stecke. In dem oben erwähnten Schreiben des BKA ist jedoch nur von Anhaltspunkten die Rede, die für eine professionelle Vermarktung von Bildern und Videos mit kinderpornographischen Inhalten sprechen.
Ganz offensichtlich vertritt das BKA in diesem Schreiben einen anderen Standpunkt als Frau Dr. von der Leyen in ihren öffentlichen Auftritten. Kann es sein, dass Frau Dr. von der Leyen mit erfundenen Zahlen versucht hat, die Debatte um die Einrichtung von Zensurfiltern zu emotionalisieren, um Kritiker dieser Zensurfilter mundtot zu machen?

Bislang konnten diese Zahlen nicht verifiziert werden und ich bin mir auch sicher, dass dies nie geschehen wird. Allein der Gedanke, dass sich Bezieher von KiPo mit ihrer Kreditkartennummer bei einem Anbieter anmelden, erscheint mir abwegig. Wie also soll da eine milliardenschwere KiPo-Industrie entstehen?

Woher also kommen die Zahlen?

In seinem Artikel Measuring the Child-Porn Trade ist Carl Bialik ist der Frage nachgegangen, wie hoch die Umsätze der KiPo-Industrie tatsächlich sind. Das ist kein leichtes Unterfangen, da Kriminelle keine Jahresberichte ihrer Umsätze veröffentlichen. Auf Anfrage teilte ihm das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) per Fax mit, dass die KiPo-Industrie 1999 einen Umsatz von 6 Milliarden US-$ gemacht habe und im Jahr 2004 einen Umsatz von 20 Milliarden US-$. Laut NCMEC stammen diese Zahlen aus einer McKinsey-Studie. Doch ein Sprecher von McKinsey widersprach der Darstellung, dass die Zahlen von McKinsey erhoben wurden. Vielmehr stammen sie aus dem Bericht einer Organisation mit dem langatmigen Namen End Child Prostitution, Child Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes, in dem das FBI als Urheber der Zahlen genannt wird. Ein Sprecher des FBI wiederum konnte nicht bestätigen, dass die Zahlen vom FBI stammen. Als Bialik das NCMEC mit den Ergebnissen seiner Recherchen konfrontierte, ließ man ihn wissen, dass man sich nicht mehr auf den McKinsey Report berufen werde, aber an der Darstellung festhalten werde, dass eine milliardenschwere KiPo-Industrie existiere.
Übrigens soll sich auch ein Bericht des Europarates auf die Zahlen berufen haben, die dem FBI zugeschrieben werden, deren Urheberschaft das FBI aber abstreitet. Leider führt der Link zu diesem Bericht in Bialiks Artikel ins Leere.

Daniel Radosh hat ebenfalls versucht, die Zahl von 20 Milliarden US-$ zu verifizieren. In seinem Artikel How big is the online kiddie porn industry? verlinkt er u.a. diese Seite des Europarates. Auf dieser Seite wird ein Bericht von Professor Ulrich Sieber vom Max Planck Institut in Freiburg vorgestellt, der unter Berufung auf andere Studien davon ausgeht, dass die KiPo-Industrie jährlich etwa 20 Mrd. US-$ umsetzt. Eventuell handelt es sich hierbei um jenen Bericht des Europrates, der in dem Artikel von Carl Bialik erwähnt wird. Sollte dem so sein, wissen wir, was von den Zahlen zu halten ist

Das ODEM Blog beschäftigt sich ebenfalls mit dem Ursprung der Zahlen. Demnach bezieht Frau von der Leyen ihre Zahlen von Innocence in Danger, einem eingetragenen Verein, dem Stephanie Freifrau zu Guttenberg, Gattin unsres Finanzministers, als Präsidentin vorsteht. Vielleicht fragt ja mal ein investigativer Journalist dort nach, woher die Zahlen stammen, die Frau Dr. von der Leyen so selbstbewusst in die Welt hinausposaunt. Es würde mich nicht wundern, wenn man sich auf den oben erwähnten Bericht des Europarates berufen würde.

Fazit: Die Zahl von 20 Mrd. US-$ läßt sich nicht verifizieren und auch die Zahl von 23 Mrd. US-$, die der Verein Innocence in Danger zurzeit kolportiert, ist nicht belegt.

Und wozu das Ganze?

Mir ging es lediglich darum zu zeigen, dass die Bundesregierung meiner Meinung nach mit frei erfundenen Zahlen versucht hat, in der Öffentlichkeit für Empörung zu Sorgen, um ihre Pläne zur Einrichtung von Websitefiltern weitgehend widerstandslos umsetzen zu können. Eine sachliche Diskussion zur Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder war nie gewollt. Es ist doch erstaunlich, dass Frau Dr. von der Leyen als Familienministerin erst jetzt auf dieses Thema aufmerksam geworden ist. Schaut man sich im Internet einmal um, stellt man fest, dass Demokratien weltweit bemüht sind, derartige Filter zu installieren und technisch zu verbessern. Es wird wohl niemand etwas dagegen haben, wenn Seiten mit kriminellen Inhalten gefiltert werden. Was aber, wenn die Regierung dazu übergeht, Inhalte zu filtern, die zwar legal, aber politisch nicht erwünscht sind?

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  1. Donnie permalink
    Mai 18, 2009 11:27 am

    Die Alte ist ist doch total durchgeknallt. Die hat sich so in ihren Kinderporno-Wahn reingesteigert, daß sämtliche Fakten an ihr abprallen. 20 Mrd. Umsatz…das ist das lächerlichste was ich jeh gehört hab…

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