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Medien 1.0

März 17, 2009
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Stefan Niggemeier schreibt über den bigotten Umgang der klassischen Medien mit dem Internet. Aber das nur am Rande.
Inzwischen bin ich mir sicher, dass es verletzte Eitelkeit und die Angst vor der eigenen Unbedeutendheit sind, die Journalisten dazu verleiten, gegen Blogger, Foren, Communities und diverse andere Erscheinungen des Internets zu wettern. Sie können es einfach nicht verknusen, dass sie nicht mehr die Meinungshoheit besitzen wie in der guten alten Zeit vor dem Web 2.0. Sie mussten mit Erschrecken feststellen, dass es Menschen gibt, die nicht bereit sind, gedruckte Meinungen eins zu eins zu übernehmen und anfangen selbst zu recherchieren und sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Dass sich im Internet auch viel Falsches findet, soll hier gar nicht geleugnet werden. Doch findet sich dieses Falsche leider nicht nur in Artikeln und Meinungsäußerungen der unzähligen privaten User, sondern auch in den Berichten und Kommentaren der etablierten Online-Medien, die sich nicht entblöden, ohne eigene Recherche Falschmeldungen von der Konkurrenz Wort für Wort zu übernehmen und weiterzuverbreiten. Zahlreiche Beispiele hierzu finden sich im oben genannten Blog.
Kommen wir zu dem, worüber ich eigentlich schreiben wollte. Vielleicht bin ich ja zu altmodisch oder zu idealistisch, aber ich bin ja immer noch der Meinung, dass Medien die Aufgabe haben, ihre Zuschauer und Leser sachlich zu informieren. Die Realität sieht aber anders aus. Nehmen wir den „Amoklauf“ von Winnenden als Beispiel. Da werden weinende Menschen für Interviews vor die Kamera gezerrt, die vor allem die Betroffenheit der Menschen zeigen sollen, aber nur wenige bis gar keine Informationen enthalten. Selbstverständlich bietet man auch diversen Politikern ein Forum zur Selbstdarstellung. Hinzu kommen all diese unsäglichen Kommentare von Journalisten, die man in ihrer Mehrzahl ungelesen in die Mülltonne treten könnte (wenn man sie nicht schon gelesen hätte – quel malheur). Wer aber nicht oder kaum zur Sprache kommt sind diejenigen, die tatsächlich ein wenig Licht ins Dunkle bringen könnten, Menschen, die sich beruflich mit derartigen Phänomenen auseinandersetzen, nämlich Psychologen und Soziologen. Wozu hat Deutschland eigentlich Universitäten, möchte man da fragen.
Ich behaupte nicht, dass diese Menschen tatsächlich in der Lage sind, die Motive, die hinter so einer Wahnsinnstat liegen, derart zu erklären, dass sie für jedermann en détail nachvollziehbar werden (ich glaube auch nicht, dass ich das so genau wissen will), aber sie könnten ein wenig Ratio in die ansonsten von Emotionen überladene Berichterstattung bringen. Ich bin mir sicher, dass dies auch den Hinterbliebenen bei der Bewältigung ihrer Trauer helfen würde.

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