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Filme verbieten

März 16, 2009

Wer sich ernsthaft für die Motive der “Amokläufer” von Columbine interessiert, sollte sich einmal diese Tagebuchaufzeichnung durchlesen.

Wir werden ganz schwarz angezogen sein. Wir werden Messer und Schwerter haben und Waffen am ganzen Körper. Es wird sich anfühlen wie in einem gottverdammten Film. Ich werde mich zwingen, zu glauben, dass sie alle nur Monster aus DOOM sind.

Ganz offensichtlich dienten den „Amokläufern“ von Columbine nicht nur der Ego Shooter DOOM als Stimulanz, sondern auch Filme. Ich gehe mal davon aus, dass sie eher Filme wie „Natural Born Killers“ oder „Pulp Fiction“ im Sinn hatten, und weniger „Ein Schweinchen namens Babe“. Des Weiteren gehe ich davon aus, dass Filme einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die jungen Männer hatten als der Ego Shooter DOOM, da in den besagten Filmen Menschen von Menschen getötet werden, während in DOOM fiktive Monster getötet werden (peinlich, aber wahr). Wie aus dem Tagebuchauszug hervorgeht, ist es nicht gerade einfach zwischen DOOM und der realen Welt eine Parallele zu ziehen.
Um es kurz zu machen: Wer sich für ein Verbot von Ego Shootern ausspricht, müsste sich aufgrund solcher Bekenntnisse konsequenter Weise auch für ein Verbot von Gewaltfilmen aussprechen. Nur das tut niemand und es fällt auch nicht schwer nachzuvollziehen warum: weil es Schwachsinn ist.
In der aktuellen Diskussion werden die negativen Aspekte der neuen Medien dramatisch überbewertet, während die der alten Medien erst gar nicht kritisch hinterfragt werden. Der Generation Schäuble sind Computer und alles was dazu gehört schlichtweg suspekt. Sie können damit nichts anfangen und wollen diese neuen Formen der Kommunikation und Unterhaltung erst gar nicht richtig kennen lernen. In diesem Zusammenhang möchte ich an die Kinderreporter im Bundestag erinnern.
Was mich aber tatsächlich ein wenig verstört, sind die Reaktionen der Medien, die auch im aktuellen „Amoklauf “ von Winnenden in punkto Internet und Ego Shooter ins gleiche Horn stoßen wie Schäuble und einige selbsternannte Experten. Die meisten Journalisten dürften einer anderen, jüngeren Generation angehören, die weitaus weniger Berührungsängste und weitaus mehr Erfahrung mit dem Internet haben sollte als die Generation vor ihr, doch bis vor kurzem beschränkten sich die Kenntnisse hinsichtlich der Ego Shooter anscheinend nur auf Counter Strike, das immer wieder als das „Killerspiel“ schlechthin herhalten musste, sozusagen das Hitler unter den „Killerspielen“. Inzwischen hat man auch schon etwas von Far Cry gehört. Was für ein Fortschritt!

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