Radioaktives Rindfleisch für japanische Grundschüler?
Es gibt keine moralische Hürde, die nicht von skrupelosen Geschäftemachern genommen werden kann. Diesem Artikel zufolge (es handelt sich um den mirror einer Meldung von NHK News Japan), setzte man Schulkindern in der Stadt Kanuma (鹿沼市) Rindfleisch aus derRegion Tochigi zum Verzehr vor. 5000 Portionen dieses „Rindfleisch auf Reis“-Gerichts wurden an acht Grundschulen im Rahmen einer PR-Aktion verteilt, um zu demonstrieren, dass der Verzehr unbedenklich sei.
Zu den Schülern gesellte sich der Bürgermeister der Stadt Kanuma, Shin Sato (佐藤 信) und örtliche Viehzüchter.
Mitte Juli wurde in der Präfektur Tochigi mit Cäsium kontaminiertes Rindfleisch entdeckt und aus dem Handel gezogen. Hier stellt sich natürlich die Frage, wie es den Farmern gelungen ist, in so kurzer Zeit Rinder zu züchten, deren Verzehr unbedenklich ist. Womit wurden sie gefüttert? Kam das Reisstroh ebenfalls aus den kontaminierten Gebieten?
Zum anderen: Woran macht man fest, dass der Verzehr unbedenklich ist? Reicht es aus, wenn der Wert unter dem gesetzlichen Maximalwert von 500 Becquerel pro Kilogramm liegt? Sagt der Becquerel-Wert überhaupt etwas über die Gesundheitsgefährdung aus? Meinen Informationen nach drückt dieser Wert nur aus, wie aktiv ein radioaktiver Stoff ist. Werte, die auf die Gesundheitsgefährdung schließen lassen, werden meines Wissens nach in Sievert angegeben.
Nebenbei bemerkt: Wenn Werte von offizieller Seite veröffentlicht werden, verschweigt man die konkret gemessenen Wert. Statt dessen heißt es lediglich „unterhalb des Grenzwertes“ (暫定規制値以下).
Den Kindern hat’s geschmeckt. Dass sie möglicherweise ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, ahnten sie nicht. Schließlich hatten sie den Erwachsenen vertraut.
Hier noch einmal der japanische Text, falls der mirror eines Tages verloren geht:
栃木県産牛を給食にしてPR
出荷停止の措置が解除された栃木県産の牛の肉を食べてもらおうと、栃木県鹿沼市で小学校の給食に牛肉が入ったハヤシライスが出されました。
栃木県産の牛は、肉から国の暫定基準値を超える放射性セシウムが検出され、ことし8月、およそ3週間にわたって出荷が停止されました。
給食は畜産が盛んな地域のひとつ、鹿沼市と地元のJAが、出荷停止が解除された県産の牛肉の安全性をPRしようと行ったもので、市内8つの小学校に牛肉が入ったハヤシライス、合わせて5000食が出されました。
このうち市立東小学校の1年生の教室には、鹿沼市の佐藤信市長や地元の畜産農家などが集まり、39人の児童といっしょに給食を食べました。
子どもたちは久しぶりに牛肉が入ったメニューをうれしそうに味わっていました。
女の子のひとりは、「お肉がやわらかくておいしかったです。もっと食べたいです」と話していました。
畜産農家の瓦井義男さんは「子どもたちが牛肉を食べる日を楽しみにしてくれていてうれしかったです。これからも安全な牛を生産するので安心して食べてほしい」と話していました。
10月03日 18時00分
Fukushima und das Plutonium
Plutonium sei zu schwer und könne sich nicht über die Luft verteilen, meinte Professor Kei’ichi Nakagawa von der Elite-Universität Tokyo am 29. März diesen Jahres. Daher bestünde für die Bürger keine Gefahr. Die Realität sieht anders aus: Am 30. September gab der Betreiber der Anlage Tepco bekannt, dass Plutonium in einem Umkreis von 45 km in den Böden nachgewiesen wurde. Schön, dass die Bewohner der betroffenen Orte Namie, Futaba und Iitate, das auch mal erfahren – ein halbes Jahr nach dem Unfall.
Heute hat das Ministerium für Erziehung, Sport, Kultur, Wissenschaft und Technologie bekanntgegeben, dass man nicht mehr nach Plutonium suchen wird.
Lehrer in Fukushima schikaniert Schüler
Akira Matsu (松 あきら), Mitglied des japanischen Oberhauses (参議院議員) und der Partei Komeito (公明党), berichtet von einem Schüler, der zusammen mit anderen Schülern von seinem Lehrer schickaniert wurde, weil er sich weigerte, in der Schule Milch zu trinken. Seine Mutter hatte es ihm verboten, da sie befürchtete, dass die Milch kontaminiert ist. Die Kühe in Fukushima dürfen weiterhin mit dem in Fukushima geernteten Stroh gefüttert werden. Die Sorge der Mutter ist daher berechtigt.
Der Lehrer rief die Schüler nach vorne und erklärte ihnen vor versammelter Klasse, dass sie es nicht wert seien, Bürger von Fukushima zu sein, wenn sie die Milch nicht trinken würden.
Nicht nur, dass der Lehrer die Gesundheit der Schüler gefährdet, er stellt sich auch noch gegen den Willen der Erziehungsberechtigten. Ich würde gerne einmal erfahren, ob er für sein Verhalten zur Rechenschaft gezogen wurde.
Es gibt noch andere Berichte, aus denen hervorgeht, dass Schüler gegen den Willen der Eltern von ihren Lehrern dazu angehalten wurden, im Freien Sport zu treiben, obwohl die Schulhöfe kontaminiert sind.
Und auch das ist erwähnenswert: Die Mutter des oben genannten Schülers ist schwanger. In ihrem Körper wurden erhöhte Cäsium-Werte festgestellt. Die Ärzte im Krankenhaus haben dieser Frau erzählt, dass trotz der erhöhten Werte nicht zwangläufig eine Schädigung des Embryos zu erwarten ist. Es fällt mir schwer, dass zu glauben.
Spin Doctors für Fukushima
Angesichts der hohen Anzahl kritischer Blogs und Bürgerprotesten, die sich mit der mehrfachen Kernschmelze in Fukushima und deren Folgen für die Bevölkerung auseinandersetzen, investiert die japanische Regierung 1,5 Milliarden Yen (gegenwärtig rund 14,5 Millionen Euro) um „Gerüchten“ entgegenzuwirken, die der japanischen Wirtschaft schaden könnten. Dazu möchte man Leute einladen, die auf Facebook oder Twitter eine hohe Zahl von Anhängern haben, sowie einflußreiche Journalisten aus den USA, China, dem Mittleren Osten und Europa.
Start der Aktion: November. Ziel: Den Menschen deutlich machen, dass Japan ein sicheres Land sei und von seinen landwirtschaftlichen und industriellen Produkten keine Gefahr ausgehe. Offiziell heißt es, man wolle diese Leute in die Provinzen Fukushima, Miyagi und Iwate einladen, sodass sie sich vor Ort ein Bild von der Situation machen könnten. Auch wolle man Ihnen örtliche Speisen vorsetzen.
Das ist natürlich alles nicht sehr überzeugend. Sollten die Speisen tatsächlich aus Fukushima stammen, hätte keiner der geladenen Gäste eine Möglichkeit zu erkennen, ob diese kontaminiert sind oder nicht, noch könnte man einschätzen, welchen kurz- oder längerfristigen Effekt diese Nahrungsmittel auf die Gesundheit haben. Hinzu kommt, dass man gar keine Möglichkeit hat zu überprüfen, ob diese Lebensmittel tatsächlich aus Fukushima stammen.
Ich persönlich gehe davon aus, dass da auch noch zusätzliche Gelder direkt in die Taschen der geladenen Gäste fließen werden, damit sie die Situation in Japan schönreden.
Artikel zu diesem Thema:
http://mainichi.jp/select/jiken/news/20110919ddm002040126000c.html
http://ex-skf.blogspot.com/2011/09/japanese-government-to-use-seafood.html
Professor Shunichi Yamashita
Professor Shunichi Yamashita (山下俊一) ist seit Mitte Juli 2011 Prorektor der Fukushima Medical University. Davor war er Professor an der Universität Nagasaki. Unmittelbar nach dem Reaktorunfall in Fukushima hielt er vor Einheimischen in Fukushima eine Rede, in der er behauptete, dass selbst eine Strahlendosis von 100 Millisievert pro Jahr keine gesundheitlichen Probleme verursache und dass nur Menschen an der Strahlenkrankheit erkrankten, die sich zu viele Sorgen machten. Dies sei durch Tierversuche erwiesen worden.
Mich würde mal interessieren unter welchen Bedingungen und mit welchen Tieren solche Versuche durchgeführt wurden.
Erstaunlich, dass die Anwesenden ihm bis zum Ende zugehört, und ihn nicht von der Bühne gezerrt haben. Ich kann nur mutmaßen, dass die Anwesend so dermaßen unter dem Schock des Ereignisses standen, dass sie jede positive Äußerung dankbar aufnahmen und sei sie noch so idiotisch. 100 Millisievert sind definitiv gesundheitsschädlich. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernoby hielt man die Evakuierung bereits ab 5 Millisievert für unumgänglich. 1 Millisievert ist der Grenzwert in Deutschland.
Wie aus verschiedenen Berichten hervorgeht, versucht die japanische Regierung die Auswirkungen des Reaktorunglücks so weit wie möglich herunterzuspielen. Kein Wunder, dass ausgerechnet dieser Professor damit beauftragt wurde, in der Präfektur eine Studie durchzuführen, die die Auswirkungen des Unfalls auf die Gesundheit der Bewohner untersuchen soll. Zu welchem Ergebnis diese Studie kommen wird, kann man sich jetzt schon denken.
Das Blog Fukushima Update äußert sich dazu wie folgt:
This survey is being carried out under the premise of Professor Yamashita’s assertions that “there were no health effects due to Chernobyl besides cancer of the thyroid” and that “there will be almost no health effects from radiation in Fukushima.” Since the greater part of the survey covers ex-post facto concerns such as estimations of past exposure doses, it will be completely useless for the prevention of health effects. One section of the residents will undergo whole body counter measurements, urine tests, and so on, but the detection limit has been set at such an extremely high level as to make the tests meaningless. We, the residents, are simply being made the subjects of research.
Radioaktivität in Fukushima
Diesem Artikel zufolge sind Schulen, die offiziell als dekontaminiert gelten, immer noch mit 1,5 Mikrosievert pro Stunde belastet. Das ist ungefähr das 13-fache über dem deutschen Grenzwert von 1 Millisievert pro Jahr.
Wie hoch der aktuelle Grenzwert in Japan für Schulen ist weiß ich allerdings nicht. Kurz nach der Katastrophe wurde er auf 20 Millisievert pro Jahr gesenkt. Nach Protesten wurde er wieder auf einen mir unbekannten Wert angehoben.
Radioaktivität in Tokyo
Laut diesem Beitrag von Al Jazeera gibt es in Tokyo eine ganze Reihe von Hot Spots (Orte hoher Radioaktivität), die eigentlich evakuiert werden müssten.
Taifun über Fukushima
Das Thema Fukushima läßt mich nicht mehr los und ich beschäftige mich auch nicht erst seit gestern damit. Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit die Leute begreifen, wie gefährlich Atomkraftwerke sind.
Gestern ist ein Taifun über Fukushima gerast. Die Auswirkungen sind verheerend. Hier der Forenbeitrag einer Japanerin, die mit dem Regenwasser in Kontakt kam.
こんばんは!埼玉在住、どうしても避けられず昨日2度雨にずぶぬれになり昨夜から頭痛、今日は軽い吐き気もあります。最近夕方になるとだるく家事がつらいです。目がかすむことが増えました。髪が産後のようにごっそり抜けてます。ちょっと不安です…。
Guten Abend! Ich lebe in Saitama. Es ließ sich leider nicht vermeiden, dass ich 2 mal vom Regen durchnässt wurde. Abends bin ich schlapp und die Hausarbeit fällt mir schwer. Mein Blick verschleiert sich zunehmend. Meine Haare fallen aus. Ich bin besorgt.
Saitama liegt übrigens nördlich von Tokyo.
Mir stellt sich die Frage, wie vertrauenswürdig so eine Aussage ist. Die beschriebenen Phänomene würde ich eher erwarten, wenn jemand einer sehr hohen Strahlendosis für längere Zeit ausgesetzt ist. Laut Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie treten solche Symptome ab einer Strahlendosis von 500 Millisievert auf.
Fukushima Basics
Spiegel Online veröffentlichte einen unkritischen Artikel, in dem deutsche Studenten zu Wort kommen, die sich trotz der Kernschmelze in Fukushima in Japan sicher fühlen. Dazu mal ein paar Fakten:
Der Geologe Yukio Hayakawa hat an der Universität Tokyo 1.382 µSv/h gemessen. Das sind rund 12,10 mSv pro Jahr. Der Grenzwert in Deutschland liegt bei 1mSv pro Jahr. Hier sein Blog, für diejenigen, die Japanisch können.
Hinzu kommt die Gefahr, Radioaktivität durch Nahrung aufzunehmen. Radioaktives Rindfleisch und radioaktiver Tee waren bereits in den Handel gelangt und das dürfte nur die Spitze des Eisberges sein, denn die Bauern in Fukushima dürfen anscheinend weiterhin anbauen. Bauern, die sich Sorgen um ihr Land und ihre eigene Gesundheit machen, werden von den offiziellen Stellen abgewimmelt, wie ein Beitrag des ZDF zeigt. Ein Bauer, der von einem staatlichen Labor seine Kartoffeln auf Radioaktivität untersuchen lassen wollte, wurde unverrichteter Dinge nach Hause geschickt, mit der Begründung, er wohne ja nicht in der Sperrzone. Dabei entspricht diese Sperrzone keineswegs der tatsächlichen radioaktiven Verteilung. Radioaktivität breitet sich nun einmal nicht radial um ein Atomkraftwerk aus, sondern tritt eben dort auf, wo sie abregnet. Laut Professor Kodama gibt es daher innerhalb dieser Zone Orte, die weniger verstrahlt sind als Orte außerhalb dieser Zone. Doch diese einfache Erkenntnis spielt für die Behörden keine Rolle. Aus diesem Grund hat ein Bauer Bauer namens Ozawa seine Probe in einem Labor einer Bürgerinitiative messen lassen. Das Ergebnis: Die Lebensmittel sind ungenießbar und müssen wie jeder andere radioaktive Müll fachgerecht entsorgt werden.
Apropos fachgerechte Entsorgung: Da man nicht weiß, wohin man die radioaktive Erde bringen soll, vergräbt man sie einfach unter einer etwa 30 cm tiefen Schicht unbelasteter Erde. Unglücklicherweise macht man das so auch auf Schulhöfen, was ich für grob fahrlässig halte, da selbst schwache Radioaktivität für Kinder und Jugendliche, die noch im Wachstum begriffen sind, wesentlich gefährlicher ist als für Erwachsene. (SZ)
Radioaktiver Müll wird einfach verbrannt; radioaktive Partikel geraten so in die Atmosphäre und sorgen für eine weitere Verteilung der Radioaktivität. Dieses Verhalten ist schlichtweg unverantwortlich.
Der Wutausbruch von Professor Kodama angesichts dieser Umstände ist jetzt schon legendär. Bitte lest euch unbedingt seine Rede vor dem japanischen Unterhaus durch. Dieser Vortrag ist ein Zeugnis für die Unfähigkeit der japanischen Regierung.
Vor dem Bahnhof in Fukushima wurden übrigens über 30µSv/h gemessen, wie in diesem Video zu sehen ist (ab 4:15). Das sind 262 mSv pro Jahr!
Nichtsdestotrotz geht das Leben in Fukushima weiter. Daran wird auch dieser Keinohrhase erst einmal nichts ändern, der angeblich 7 km entfernt vom Reaktor in Fukushima geboren wurde.
Subventionen für florierende Unternehmen
Seit gefühlten hundert Jahren versprechen uns Politiker, dass sie, sobald sie die Regierungsgewalt haben, Subventionen abbauen werden. Passiert ist nie etwas. Ich habe kein Problem damit, wenn Milchbauern, die aufgrund der schlechten Marktpreise ohne Subventionen nicht überlebensfähig wären, auf diese Art und Weise unterstützt werden. Wenn ich aber mitbekomme, dass man HARTZ IV – Empfängern den Vorwurf macht, sie würden den Staat parasitär ausbluten, während florierende Unternehmen Subventionen für Ihre Forschung abgreifen, die sie ohne weiteres aus Ihrer eigenen Tasche bezahlen könnten und die nicht dem Allgemeinwohl, sondern ausschließlich dem Wohl des Unternehmens dient, geht mir das Messer in der Tasche auf.